Ich arbeite daran einfach nur mal an mich zu denken. Aber das ist nicht immer möglich. Nicht, weil ich mich nicht überwinde oder nicht weil, neeein, sondern weil genau das Gegenteil von mir erwartet wird - an andere zu denken. An meinen Freund, der von mir verlangt, dass ich ihm unter die Arme greife sodass er mal seinen Arsch hochbewegt, um fertige Bewerbungen abzuschicken und sonstigen zukunftlichen Kram. Ich kann mich allerdings nicht spalten. Ich muss nun meinen einzigen freien Tag in der Woche opfern, um über 100km zu meiner Oma zu fahren, die meine Hilfe benötigt, da sie einfach nicht mehr im Heim klarkommt. Obwohl ihr Sohn und mein Vater um die Ecke wohnt. Sie ist so verzweifelt, da kann ich nicht anders. Es bewegt sich ja sonst nichts ohne mich, hab ich das Gefühl.
Wo bleib ich? Mir greift keiner unter die Arme oder treibt mich an. Das verlange ich auch nicht, hilfreich wäre es mir schon. Nur ich brauche schon ein bisschen Zeit für mich. In denen ich meine Sachen regel. Aber das kümmert auch kein Schwein. Wichtig sind die anderen. Nicht das sie mir unwichtig sind und ich gerne für sie da bin, jedoch gibt es keinen Free-Time Knopf oder eine Pause dazwischen. Nichts. Und wenn ich doch mal gerne Zeit für mich hätte, wird mir vorgeworfen, ich würde kaum an meine Mitmenschen denken. Bitte? Wohin, mein liebes Selbstwertgefühl? Für diesen Scheiß hier hab ich sowas von keinen Nerv mehr. Die Quote zur Tendenz rückfällig zu werden ist in diesem Moment extrem hoch, weil mir die Verpflichtungen einfach über den Kopf wachsen. Aber wenn ich auch mal liegen bleibe und schlecht gelaunt bin, heißt das, dass es bei mir immer so ist. Depri-Tanten Schublade. Bingo! Und Klappe zu.
Checken wir mal die Möglichkeiten ab:
- Schauspielern, kennt jeder, meistens gut, meistens vom Nachteil. Entweder, oder. Entweder man täuscht gute Laune vor, alles läuft prima, keine Probleme. Aber ist das so gut für die Seele? Wohl kaum. Oder man lässt es dabei, so wie es ist.
- An andere denken. Nur an andere denken. Ich hab manchmal so ein Film in meinem Kopf. Von einem Mädchen das nur an andere dachte, nicht mal einen Funken mehr an sich, es spielte sich ein, verewigte sich. Selbst als sie alles durch verlor. Auf gut Deutsch am Arsch war, selbst dann, dachte sie nie an sich. Alle anderen um sie herum waren glücklich. Und doch, als die anderen merkten, wie scheiße es ihr ging und versuchten zu helfen, dachte sie, sie muss erneut alles tun um sie glücklich zu machen und nicht an ihr selbst zu arbeiten. Sie konnte gar nicht mehr anders. Und so weiter und so fort.
- An sich selbst denken - kommt nicht infrage, macht andere unglücklich und du stehst da als Versagerin.
- Auf übervernünftige und neutrale Person machen. (Du sprichst dir nur den Mund fusselig dabei, bringt nichts)
- Sich selbst aufgeben. (Depri-Tante, jo!)
- Ein Gleichgewicht zwischen allem finden. (Wenn jemand das gefunden hat, bitte bei mir melden!)
Wie man sieht, bleibt nicht viel. Ich weiß nicht mal mehr ob mir viel bleibt. Viel Zeit bleibt. Wie mein Leben in 10 Jahren ausschaut. Oder in 5 Jahren. Ich würde es schon gerne wissen, aber irgendwie auch nicht. Aber woher weiß man dann, ob sich das Kämpfen lohnt? Jeder kann viel sagen. Das alles gut wird, das sich das Kämpfen am Ende bezahlt macht, nicht aufgeben, es wird besser, nicht den Kopf verlieren. Woher wollen sie das wissen? Können sie in die Zukunft blicken? Mal ehrlich. Ein "Ich bin immer für dich da, egal was kommt" ist mir tausendmal lieber als tausend solcher Sätze.

Vielleicht würde es dir ja helfen, wann du dir jeden Tag mal so 15-30 Minuten nimmst, wo diniert fir dich bist. Wann du dein Handy mal anschaltet und für diese Zeit einfach mal für niemanden erreichbar bist. Sondern einfach mal Zeit für dich hast. Mal abschalten, spazieren gehen oder einfach das tun, was dir gut tut. Probiers mal aus ;-)
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