Donnerstag, 4. Juli 2013

Sehr mutig. Und ich sprachlos.



Ein Mitschüler stellte sich vor die Klasse und wollte etwas wichtiges loswerden. Meine Neugier war geweckt. 
Was könnte das sein? Doch was dann kam, damit hätte ich nicht gerechnet. 
Er fing vom Vortag an, als er merkwürdigerweise kurz vor die Tür musste, weil es ihm nicht gut ging. Der Grund: Er ist psychisch krank. Er erzählte, dass er Borderline hat, diese Krankheit nicht heilbar ist und er nicht kontrollieren kann ob er sich jetzt selber verletzt oder nicht. Vom Vortag, das war so ein Moment. Das sei, wenn er "Ritzdruck" habe. (Ich hasse ja diese Form von Ausdruck). Er bräuchte dann jemanden zum Reden, oder einfach nur ein Moment für sich oder ein Kühlpack, um sich wieder zu spüren. Er habe dies jetzt nur mitgeteilt, damit wir Bescheid wissen und evtl. helfen. Ich weiß nicht was mich mehr geschockt hat: Die Tatsache das er sich damit auch auskennt (schrecklicher Satz), also was Ausbrüche und das Schneiden betrifft, oder das er dies vor der ganzen Klasse gesagt hat. Von der Krankheit an sich weiß ich nicht viel. Er muss echt keine Scheu davor haben. Mut haben und vorallem Vertrauen in die Menschheit. Just in dem Moment fragte ich mich automatisch, ob er vielleicht meine Narben bemerkt haben könnte. Ob er ahnt, was mein Körper verrät. Daher auch seine Narben am Arm, über die ich vorher schon gerätselt habe. Die Puzzleteile fügten sich zusammen. Ich folge jeden seiner Blicke in meine Richtung. Ob er vielleicht auf meine Arme schaut. Oh man, ich bin echt nicht mehr ganz dicht. Aber es ist komisch. Jemanden in der Klasse zu haben, der dich evtl. verstehen kann. Ich spürte zu der Zeit der Bekanntgabe die brennenden Blicke meines Freundes auf mir, der in dem Moment neben mir saß. Mir war unwohl. 
Und irgendwie ist das jetzt noch komischer..... 
keiner verlor danach ein Wort darüber, keine Blicke wurden geworfen, es war, als hätte es dieses Gespräch nie gegeben. 


2 Kommentare:

  1. Ich finde es mutig von ihm, dass er dieses Thema, was ihn betrifft, vor der ganzen Klasse angesprochen hat.
    Ich zeige meine Narben offen, aber ich käme nie, niemals auf die Idee, mich vor meine Klasse zu stellen und zu sagen, warum ich sie habe oder sowas.
    Aber jemanden in der Klasse zu haben, dem es ähnlich geht, wie einem selbst, kann auch helfen. Ich habe eine Freundin in der Klasse, die sich auch selbst verletzt und mit ihr kann ich da ziemlich gut drüber reden. Wir bauen uns auch gegenseitig selbst auf, wenn wir Druck oder so haben. Kann also ganz hilfreich sein.
    Vielleicht redest du ja mal mit ihm?! :)

    Liebe Grüße <3

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  2. Ich finde es toll, dass eure Lehrer das akzeptiert haben! Sprich ihn doch mal an :)

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