Ich habe endlich Bescheid bekommen, dass mir 5 Wochen in einer psychosomatischen Klinik bewilligt wurden. Die Zeit kann natürlich nach Einschätzung der Ärzte verkürzt oder verlängert werden. Die Klinik ist ein bisschen weiter weg... aber das ist okay, denke ich. Wann es genau losgeht, weiß ich noch nicht, da muss ich noch auf eine Rückmeldung der Klinik warten. Ich bin ein bisschen aufgeregt. Angst habe ich. Eigentlich wollte ich seit meinem letzten Klinik Aufenthalt nie mehr einen Fuß in irgendeine Klinik setzen. Die schlechten Erfahrungen haben mich geprägt. Ich hoffe, dass ich mir nicht selbst überlassen werde und auch wirklich Hilfe bekomme.. jemanden, mit dem ich reden kann, wenn ich es brauche. Eigentlich glaube ich nicht, dass ich mein "Problem" in 5 Wochen loswerde, überhaupt zu lernen damit umzugehen. Ich befürchte schon, dass sie mich wegschicken werden, da sie mir so intensiv nicht helfen können. Es ist einfach zu tief in mir verankert.
Vielleicht werde ich ein Buch schreiben. In erster Linie um mir damit zu helfen. Vielleicht ist es als Begleitung für mich ganz hilfreich. Angefangen habe ich schon. Ich habe allerdings nach zwei Seiten wieder aufgehört, weil ich die auflebende Erinnerung bis zu einem gewissen Zeitpunkt nicht ertragen habe. Aber ich will es angehen und schaffen. In zweiter Linie um anderen Frauen zu helfen und sie evtl. mit meinen Worten zu erreichen. Egal, ob es dasselbe wie bei mir war oder in einer anderen Weise. Ich selber habe mir gewünscht solche Bücher über diese Thematik zu lesen - aber leider gibt es diese nicht. Nirgends. Es kann nicht angehen, dass so wichtige Themen einfach von der Gesellschaft isoliert werden. Gleichzeitig isolieren sich die betroffenen Menschen, denn es gibt noch zu viele Tabuthemen. Es wird geschwiegen, obwohl man lieber schreien möchte. Ich würde gerne die Menschen anschreien, welche mir dieses Leid angetan haben - aber ich schweige. Die Menschen, die mir dieses Leid angetan haben, schweigen auch.. tun so, als wäre nie etwas passiert. Sie verschließen die Augen vor der Wahrheit.
Obwohl das, was sie getan haben, schon ein wenig strafbar ist. Meine Mutter ist einer dieser Menschen und ich sehe sie jeden Tag. Sie schweigt, sie hat nie wieder ein Wort darüber verloren, mich nie gefragt, wie es mir damit geht, mich allein gelassen. Ich bin wütend, könnte heulen, schreiben, Dinge auf den Boden werfen, die Wohnung verwüsten um meiner Wut Ausdruck zu verleihen, ihr Vorwürfe ins Gesicht klatschen - aber ich schweige. Noch. Es ist nur eine Frage der Zeit und der Hilfe, die ich hoffentlich bald bekommen werde.
Ich will ausziehen, ich muss ausziehen. Dafür brauche ich Hilfe, denn finanziell ist das nicht stemmbar für mich. Ich brauche Abstand zu meiner Mutter. Ich habe sie lieb, mir ist die Beziehung zueinander wichtig - aber so kann ich das nicht mehr. Wir entfremden uns schon, reden kaum noch und ich erzähle auch nichts mehr. Das war mal anders. Mir tut es auch leid, weil sie es merkt, aber ich kann nicht anders. Die Spannung ist zu angespannt.
Und das Schlimmste ist, dass sie sich nie bei mir entschuldigt hat. Kein Anzeichen der Reue. Manchmal hasse ich sie dafür. Das sie zugelassen hat, dass ich deswegen so sehr leide. Das sie mein Leid wollte. Ich glaube, ich kann ihr das nie verzeihen. Selbst wenn ich lerne, damit umzugehen. Es ist einfach zu viel passiert.

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