Freitag, 9. März 2012

Abendstunde.

Meine Mom hat zuviel getrunken. Es dürfte mich eigentlich nicht wundern, denn sie trinkt jeden Tag ein paar Gläser. Mich wundert nur ihr Verhalten. Es ist anders als sonst. Beim Kochen ist ihr alles misslungen, heruntergefallen. Es dauert zwei Minuten bis ich eine Antwort von ihr erhalte, wenn überhaupt. Wenn ich sie darauf anspreche, dass sie zuviel getrunken hat, erwidert sie erst nichts darauf, dann kommt ein ungläubiges "Nein" von ihr und sie erzählt mir, in ihrer Tasse wär Wasser, obwohl ganz klar Alkohol drin ist. Sie wirkt als wär sie gerade eben erst aus dem Bett gestiegen, obwohl sie nicht mal darin lag. Ab morgen früh bin ich bis Montag allein daheim. Denn sie ist weg, bei ihrem Macker. Hört sich wahrscheinlich wie in so einem Buch an. Nur leider kann man vor der Wahrheit nicht davonlaufen. Was das für mich bedeutet? Ruhe. Endlich, endlich... Ruhe...  In der Schule heute Abend gab es ein Gespräch mit Ihm. Es ging auch um Wahrheiten. "Ich kiffe, für den Moment. Dann muss ich nicht nachdenken. Nachdenken killt mich." Ich versuchte klarzumachen, dass dies keine Lösung auf Dauer ist. Irgendwann muss man sich mit beschäftigen. Irgendwann kann man nicht mehr weglaufen. "Was soll ich sonst machen? Eine Therapie? Neeee... ich bin stur. Verdammt stur. Und dann hör ich doch nicht auf so einen Fuzi, der mir was vom Himmel erzählt und mir Antidepressiva zuteilt" Daraufhin wurde ich selbst nachdenklich und musste gestehen, er hat Recht. Es ist recht amüsant, dass ich versuche die richtigen Ratschläge zu geben, obwohl ich diese selbst nicht mal befolge. Ich sagte zu ihm, er könne ja mit jemanden anderen reden. Kein Fuzi. "Mit wem denn?", fragte er. "Mh. Ich weiß nicht. Ich." Seine Mundwinkel zogen sich nach oben und er musste lächeln. Dann erlosch sein Lächeln wieder und er sagte; "Manchmal will ich einfach nicht reden." Und so geht der Teufelskreis wieder von vorne los. Kann sowas überhaupt gut gehen? Zwei Menschen die aufeinanderhocken und selbst sowas von kaputt sind? Beide? Andrerseits hast du jemanden der dich versteht, der dir keine Vorwürfe macht. Er stand auf, küsste mich aufs Haar, ging wieder zu seinem Platz und ließ mich nachdenklich zurück.
Was ein genialer Abend.


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