Freitag, 15. April 2016

Ängste überwinden.

Am Dienstag fahr ich zur fremden Frauenärztin. Ich müsste eh' mal meine FA wechseln, seit 8 Jahren bin ich nun dort. Jeder dort kennt meine Geschichte und schweigt. Ich bin das Schweigen leid. Wieso fahre ich dann 100km zur einer anderen FA? Ich muss mich wahrscheinlich dort auch erklären. "Auf Empfehlung, für eine zweite Meinung" irgendwas in der Art. Ich habe ja nicht mal den Mut aufgebracht da anzurufen um mein Anliegen zu erklären, nein - das hat die nette Dame von der Beratungsstelle gemacht. Dafür bin ich echt dankbar. Alleine hätte ich das nicht geschafft. Meine Gedanken kreisen ständig um den Termin. Was für Fragen stelle ich? Wie fasse ich es zusammen? Was erhoffe ich mir? 

"Hey, wie kann man feststellen, ob ich (un)fruchtbar bin?" 

"Habe ich eine (körperliche) Erkrankung da ich seit 8 Jahren Schmerzen habe?"
"Gibt es einen medizinischen Zusammenhang?" 


Vor ein paar Tagen war ich wieder in der Beratungsstelle. Sie hat mir ein paar Tipps gegeben, dennoch bin ich so unsagbar aufgeregt! Auch wenn die Katze aus dem Sack ist, habe ich so doll Angst vor Abneigung/Ablehnung. Aber diesmal sollte es mir um einiges leichter fallen, die Sache auf den Punkt zu bringen. Die Überwindung war viel größer, als ich meinem Hausarzt und der Dame von der Beratungsstelle zum ersten Mal davon erzählen musste/sollte. Naja... wollte.. ich habe die Steine selbstständig ins Rollen gebracht. Niemand hat mich dazu gedrängt, niemand dazu gezwungen. Eigentlich traurig. Für Hilfe drängt/zwingt mich keiner, stattdessen aber für seelisches Leid. Bei diesem Punkt kommt wieder eine so unkontrollierte Wut in mir hoch - aber ich bleibe still. Ich habe keine Lust auf Fragen, auf das geheuchelte Interesse, auf die angebliche(!!!) Verwunderung. Das würde mich nur noch wütender machen. Ein "ich weiß" mit anschließendem Schweigen würde mich tatsächlich zufrieden stellen. Einfach, weil das zeigt, dass man ein schlechtes Gewissen hat! Aber das existiert nicht! Nichts davon! Obwohl ich allen VORHER gesagt habe, was das für seelische FOLGEN haben wird! Scheißegal. Drauf geschissen. Und TROTZDEM nehme ich Rücksicht auf DIESE Menschen. ICH FASS ES NICHT! Sie haben mein Leben ruiniert und ich bin noch NETT. UNGLAUBLICH! 
Was ist nur los mit mir, verdammt?! 

Ich habe das einfach zu lange verdrängt.. und jetzt wo sich etwas bewegt, kommt es wohl zum Vorschein. Ich muss hier raus, schnell.

Montag, 11. April 2016

Meine Schwester, - meine Familie.

Was will ich mit meinem Leben eigentlich erreichen? Das frage ich mich immer häufiger in letzter Zeit. Möchte ich mit meinem Freund zusammenziehen, ein Kind bekommen und vielleicht unser eigenes Haus bauen? Oder möchte ich mir mein eigenes, kleines Reich aufbauen, Städte und Länder erkunden, Sport betreiben, meine Ernährung umstellen und so sein, wie ich es mir ausmale? Es klingt beides verlockend, aber ersteres kann auch noch später kommen, glaube ich. Ich ziehe aus - in meine erste eigene Wohnung und mein Freund zieht ebenfalls in seine eigene Wohnung. Traumvorstellung, für uns beide. Hat lange gedauert (schon im ersten Jahr wollte er mit mir zusammenziehen), aber mittlerweile findet er die Idee von getrennten Wohnung auch gut. Ich habe Rückzugsmöglichkeiten, er auch. Selbst meine Schwester und ihre Freundin haben getrennte Wohnung - zwar im selben Haus (und ein toller Nebeneffekt), aber ok. Nur pennt meine Schwester fast nur bei ihrer Freundin und ihr eigenes Bett dient als Wäscheablage. 

Ich wäre gerne wie meine Schwester. Sie ist mein Vorbild in jeglicher Art und Weise. Wir haben, bis auf wenige Ausnahmen, die gleichen Interessen und Hobbys - fast schon denselben Beruf, den wir gerne ausüben. Zwischen uns liegen zwar 17 Jahre Altersunterschied, aber das Alter merkt man ihr gar nicht an. Ich fass' es nicht, dass sie dieses Jahr schon 40 wird. Für mich wird sie immer jung bleiben. Sie ist auch in den Klinikunterlagen als "nächste Angehörige, welche man im Notfall kontaktiert" eingetragen. Das hat ihr Herz erwärmt, als ich ihr dies mitteilte < 3
 

Sie ist liebevoll, immer für mich da, tröstet mich, muntert mich auf, nimmt mich in den Arm (und es fühlt sich nicht komisch an!), tanzt und geht mit mir feiern, betrinken uns an passenden Tagen im Kreise der Familie ihrer Freundin - ist Mutter, Schwester und beste Freundin. Ich wüsste gar nicht, was ich ohne sie machen würde. Sie hat mich ermutigt, doch in die Klinik zu gehen, den Arzt darauf anzusprechen. Sie hat mich motiviert eine Therapie zu machen. Sie akzeptiert meinen Freund und bietet unserer Mutter die Stirn. Sie beschützt mich vor allen bösen Menschen. Sie macht den Mund auf und lässt sich dies auch nicht verbieten. Sie unterstützt mich und möchte sogar zu meinem Umzug mit der ganzen Familie kommen. Alle wollen kommen. Sogar mit einem riesen LKW. Legen über 200 km zurück, nur um mir von A nach B zu helfen. Da sind mir fast vor Rührung und Dankbarkeit die Tränen gekommen. Es ist wie die lustige, heile, friedliche Familie die wir nie hatten. Allerdings ist es schon ein wenig traurig, dass die Mutter ihrer Freundin für sie mehr "Mama" ist, als unsere Mama. Aber auch ich bin der Herzensgüte verfallen, auch wenn alles noch ein wenig ungewohnt ist. Der Schwager ihrer Freundin ist fast wie ein Ersatz-Papa für mich. Er ist über 50 und hat eine 14-jährige Tochter. Wie er mit ihr umgeht, tut schon fast weh. Es ist gar nicht "peinlich", aber trotzdem herzerwärmend. Da wünsche ich mir einen anderen Vater. Einen richtigen Vater. Er knutscht mich immer ab, wenn wir uns sehen und umarmt mich, bis ich keine Luft mehr bekomme. Aber das tut dort eigentlich jeder. Immer wenn ich für ein paar Wochen zu Besuch bin, möchte ich eigentlich gar nicht mehr heim. Fehlt nur noch mein Freund und ich bleib da.