Freitag, 9. September 2011

Freiheit bedeutet nicht alles.

Immer wenn ich auf dem Balkon steh und in die tiefe dunkle Nacht schau, oder gerade auf dem Heimweg bin... sehe ich mich irgendwo da draußen ziellos durch die Straßen laufen. Mit hungerbetäubtem Magen und keinerlei Geld, oder geschweige denn ein Ort der Zuflucht. Ein warmer Raum, ein kuschliges Bett, ein Gefühl, dass einem normalerweise sagt, du hast etwas wo du hingehen kannst, wo du "Zuhause" bist. Ich sehe, wie mich die Kälte von außen und innen zerfrisst, wie ich mich vor einem Busch im nassen Dreck setze um nicht gesehen zu werden. Blaulicht in jeder Ecke. Gefährliche Schritte auf dem Asphalt, die näher kommen und sich wieder entfernen. Die Zeit hat keinen Namen mehr. Ein paar Minuten kommen einem vor wie mehrere Stunden. Die Stille tritt ein. Ich sehe, wie ich wieder aus meinem Versteck gehe und zu dem Haus gehe, wo mich die Frau verraten wollte. Ich ziehe den Schlüssel aus meiner Tasche und schließe auf. Steige bis in den letzten Stock hinauf, setze mich hin und schlinge die Arme um meinen Körper. Hier drinnen ist es zwar nicht kälter als draußen, aber dennoch. Zwei Türen weiter ist ein Zimmer in der Wohnung. Es hat mir mal gehört. Aber ich gehöre nicht mehr hierher. Ich sehe, wie ich diese Nacht auf der harten Treppe verbringe. Nach einer Ewigkeit wird es hell. Und so stehe ich wieder auf und ziehe los. Irgendwohin. Mit meinem wichtigsten Kram und noch immer einem hungerbetäubten Magen. Frühstück fällt aus, genauso wie das Mittagessen. Zum Abendessen gibt es Alkohol, um die Sorgen zu vergessen und vielleicht etwas kostbares, wenn ich jemanden finde, bei dem ich schlafen kann und dann werde ich wieder losziehen. Vielleicht hab ich mal nicht Glück, und muss wieder ziellos durch die Straßen streifen. Immer auf der Hut. 


Langsam verlässt mich die aufsteigende Erinnerung wieder und ich verlasse den Balkon, gehe ins warme Zimmer, in mein warmes Bett und fürchte mich vor der Nacht. Aber wäre ich wieder in dieser Situation, würde ich wieder so handeln. Freiheit bedeutet nicht alles.

1 Kommentar:

  1. Der Mensch ist frei geboren,

    und überall liegt er in Ketten....


    ---->du hast voll denn schönen blog!!!buxxn

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